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'Svalutation' Alterswohnungen Hirzenbach, Zürich


Die zukünftigen Bewohner der Alterswohnungen in Hirzenbach sind während und nach dem Zweiten Weltkrieg geboren und waren in den 1960er Jahren jung. Viele von ihnen zelebrierten Unabhängigkeit und Individualismus. Der Zwang zum Kollektiv - für die Vorkriegsgenerationen noch alltäglich - erfüllt sie mit Unbehagen. Diese Generation hat anders gelebt und will auch anders alt werden. Das Modell des Altersheims hat ausgedient - man will so lange wie möglich selbständig wohnen und wenn es nicht mehr anders geht, massgeschneiderte Pflege in Anspruch nehmen. Ein Projekt für Alterswohnungen muss heute also das spezifische - und teilweise paradoxe - Programm eines kollektiven Wohnhauses für individualistische Bewohner erfüllen ...

Alterswohnheim
Rolator


Die Alterswohnungen bilden den Hintergrund für einen Lebensabschnitt, in dem sich die Bewegungsfreiheit drastisch vermindert. Massgebend für den Aktionsradius sind die mechanischen Fortbewegungsmittel, welche man noch benutzen kann. Solange man autofahren kann ist die Welt noch weit offen. Auch mit dem öffentlichen Verkehr kann man in einem grossen Umkreis vieles erleben. Wer sich aber nur noch mit dem Rollator oder mit dem Rollstuhl fortbewegen kann, für den gewinnt die direkte Umgebung des Wohnhauses massiv an Bedeutung. Und wenn man dieWohnung gar nicht mehr verlassen kann wird es entscheidend, welcher Reichtum die Aussicht aus dem Zimmer zu bieten vermag - das Lichtspiel, die jahreszeitlichen Veränderungen der Pflanzens die Aktivitäten im Aussenraum vor der Wohnung.


Wir haben einerseits ein ganz normales Wohnhaus entworfen, in dem man sich ungestört in seine Privatsphäre zurückziehen kann. Einer der Lifte führt direkt in die Parkgarage, so dass man - wann immer man Lust hat - ungesehen ins Auto steigen und wegfahren kann. Andererseits aber haben wir die programmatischen, landschaftlichen und räumlichen Möglichkeiten der Situation so verdichtet, dass die Wohnumgebung jenen, welche sie kaum mehr verlassen können ein Maximum an Erlebnissen bietet.
Die Wohnungen stehen über vorgelagerte Terrassen und Laubengänge in Beziehung zu jeweils zwei verschiedenen Aussen- und Aussichtsräumen. Diese Zweiseitigkeit wird radikalisiert, indem jedes Zimmer beidseitig orientiert wird und damit in Beziehung zu unterschiedlichen Qualitäten von Licht, Farbe, Akustik und Programmen gesetzt wird. Gewöhnliche Doppeltüren erlauben es, mit einfachsten Mitteln in ein und derselben Wohnung räumlich und funktional ganz unterschiedliche Grundrisse zu organisieren. So entsteht auf kleinem Raum ein grosser Reichtum an möglichen Konfigurationen und Beziehungen.

Innenhof

Planebenen 1 - 3

Planebene 0


Wir interpretieren das Erdgeschoss der Alterswohnungen als Teile einer Kette von öffentlichen und sozialen Programmen, welche sich entlang einer neu geschaffenen Wegverbindung durch den grünen Innenbereich der Planung Wasserfallen aufreihen. Von der Bushaltestelle führt dieser Weg durch den Hof der Alterswohnungen zu Kindergarten, Schule und weiter zu Supermarkt und Restaurant. Um die möglichen Synergien zwischen den aneinandergrenzenden Programmen auszunutzen schlagen wir vor, den Aufenthalts- und Verpflegungsraum für Schule und Kindergarten dem Aufenthaltsraum der Alterswohnungen anzugliedern. Der Hof ergänzt so das Aussenraumangebot der Schulen und erhält die urbane Atmosphäre eines Ortes, welcher durch verschiedene Altersgruppen genutzt wird. Ohne grossen Mehraufwand kann im Aufenthaltsraum eine kleine Cafeteria für die Bewohner der Alterswohnungen eingerichtet werden: so wird Menschen, welche sich nur noch mühsam fortbewegen können, eine äusserst willkommene Alternative zum ewigen Mahlzeitendienst geboten. Durch das Zusammenlegen der beiden Programmteile entsteht ein Angebot an Gemeinschaftsräumen, welches auch grössere Quartieranlässe problemlos aufnehmen kann. In diesem System wird das Hauswartehepaar zum Angelpunkt in einem Betriebskonzept, welches verschiedene, bislang unabhängige Betreuungsaufgaben auf neue Weise kombiniert.


Aussenraum
Das als vertikale Aufeinanderschichtung öffentlicher, kollektiver und privater Aussenräume konzipierte Gebäude funktioniert als Aussichtsmaschine. Der öffentliehe Durchgangshof ist eine Bühne, auf die die Bewohner des darüberliegenden Wohnringes herunterblicken. Auf seiner Kiesfläche stehen aufgeastete, mehrstämmige Magnolien, welche im Frühjahr intensiv blühen. In einem Wasserbecken wird anfallendes Regenwasser gesammelt - bei starken Niederschlägen überläuft dieses, so dass das Wasser im Kies versickert . Auf den Terrassen des ersten Obergeschosses sind- nur für Bewohnerinnen zugängliche - kollektive Gartenräume mit freier Bestuhlung und Sonnenschirmen angeordnet. Von hier aus kann man ungestört dem Treiben im Hof oder auf dem Schulplatz zuschauen. Zierstaudenpflanzungen in Hochbeeten sorgen je nach Exposition für Stimmungen von grün und üppig im Schatten bis zu fein und reichblühend in der Sonne.

Dachebene

Grünkonzept


Auf dem Dach des Wohnringes schliesslich entstehen Mietergärten als dritte, private Ebene. Auf einem Grundteppich von duftenden Kräutern werden Hügelbeete angelegt, welche von den Mietern selbst bestellt werden können. Billige, standardisierte Gartenhäuschen aus dem Baumarkt dienen als Geräteschöpfe und zum Aufenthalt.


Credits